Entstehungsgeschichte der Mia Hesse, Oktober 2019

Seit ich vor etwa 6 Jahren das Buch von Bärbel Reetz über Hesses Frauen gelesen hatte, hat mich Mia in ganz besonderer Weise fasziniert. Ich bewunderte sie, wie sie neben ihrem Beruf als erfolgreiche Photographin, ihrer Liebe zur Musik, ihrer Arbeit in Haus, Hof und Garten, als Ehefrau, Sekretärin und Mutter ihrer Kinder alles meistern konnte. Ich konnte aber auch gut nachvollziehen, dass sie sich irgendwann von all dem überfordert fühlte. Man will alles super gut machen und kommt dann an die eigenen Grenzen. 

Deshalb habe ich mich ganz besonders über den Auftrag "Mia" gefreut. 

Es war das erste Mal, dass ich nicht nach einem lebenden Modell gearbeitet habe, sondern auf diverse Fotos zurückgegriffen habe. Vom Alter her habe ich mir vorgestellt, die Mia zu wählen, die voller Tatendrang das Heim in Gaienhofen für sich und ihre Familie geschaffen hat. Die leicht nach unten gesenkte Kopfhaltung habe ich so gewählt, da ich die Melancholie der Mia in ihrer letzten Zeit in Gaienhofen zum Ausdruck bringen wollte. 

Der Auftrag wurde im Herbst 2018 von Frau Eberwein erteilt. 
Frau Eberwein ist 2. Vorsitzende des Arbeitskreises und zusammen mit ihrem Mann auch Eigentümerin des Hermann-Hesse-Hauses. 

Zunächst sammelte ich verschiedenste Fotos von Mia Hesse, druckte sie vergrößert aus und hängte sie im Atelier auf.

Dann modellierte ich den Kopf in Ton. Mit diesem Material kann ich schneller arbeiten, in der additiven Methode ist ein schnelles Hinzufügen möglich.

Von diesem Kopf wurde dann ein Silikonnegativ hergestellt und dieses mit Gips ausgegossen.

Das wurde dann in der Landesschau Baden-Württemberg gezeigt

Am Gipsmodell konnte ich dann detaillierter weiterarbeiten.

Von dem fertigen Gips wurde wieder eine Silikonnegativform hergestellt, die dann in die Bronzegießerei Strassacker gebracht wurde.

Als der Wachsabguss fertiggestellt wurde, bin ich am 18. Juni zur Wachsretusche nach Süssen in die Gießerei Strassacker gefahren. Retusche kommt aus dem Französischen "retouche", was soviel wie Nachbesserung bedeutet, wörtlich in etwa: noch einmal berühren. Die nachträgliche Veränderung einer Oberfläche, das bedeutet, dass die durch das Eingießen des Wachses entstandenen Grate entfernt werden und Details hinzugefügt werden können. 

Der Kopf wurde dann im Wachsausschmelzverfahren gegossen. 

Das aus der flexiblen Negativform hergestellte Wachsmodell wird mit Gusskanälen und Steiger versehen und je nach Größe vier- bis sechsmal in keramische Masse getaucht und getrocknet. Die dabei entstehende Schale, die eine Stärke von 6 bis 10 mm erreicht, wird im Brennofen bei 800 °C gebrannt. Das Wachs schmilzt hierbei aus und die Schale erreicht die nötige Härte um das flüssige Metall aufzunehmen. 

Nach dem Erkalten wird die Schamotteform bzw. die Keramikschale zerschlagen um das gegossene Kunstwerk freizulegen. 

In der Ziselierwerkstatt wird der Rohling weiterbearbeitet, die Einguss- und Abluftkanäle abgetrennt, die Oberflächen mit Ziseliereisen, mit Feile, mit Schleif- und Polierwerkzeug nachgearbeitet.

Nach dem Guss im Wachausschmelzverfahren wurde der Kopf am 16. Juli patiniert. 

Je nach dem welchem Einfluss die Kupferlegierung ausgesetzt ist, verändert sich Bronze im Laufe der Zeit. Das Patinieren nimmt den natürlichen Vorgang der Oxidation vorweg.

Das Kunstobjekt wird zunächst für einen genau festgelegten Zeitraum in ein Patinabad (mit Schwefelleber) getaucht. Dann werden von Hand weitere Patinierlösungen aufgetragen und mit der Gasflamme eingebrannt. So lassen sich jeweils ganz besondere Farbnuancen und Schattierungen erzielen, um den Charakter und die Ausstrahlung des Kunstwerks zu intensivieren. 

Abschließend wurde die patinierte Oberfläche versiegelt 

Abliefern der Mia in Gaienhofen am 23. Juli 2017

Enthüllung der Mia 

Anlässlich der Feier zur Umwidmung des Hermann-Hesse-Hauses in Mia- und Hermann-Hesse-Haus Gaienhofen in Anwesenheit der Enkel und Nachfahren der Familie und den Mitgliedern des Fördervereins und des Arbeitskreises Mia Hesse wurde der Kopf der Mia enthüllt.

Auf dem Foto rechts Franziska Keller, die Großnichte von Mia Hesse, bei der Enthüllung.

Eva Eberwein (ganz rechts) hat zusammen mit ihrem Mann 2003 das Haus gekauft und liebevoll restauriert. So wurde das Haus als Kulturgut erhalten. Das Haus wurde in den Zustand gebracht, in dem es Anfang des 20. Jahrhunderts war, ein prächtiges modernes Haus im Schweizer Reformstil. 

Der Kopf von Mia soll auf einem Sockel aus Rorschacher Sandstein, der auch am Haus verwendet wurde, vor dem Fenster ihres Ateliers platziert werden.